Havening Therapie – ein sicherer Hafen für die Seele

Moderne Neurowissenschaft für ein besseres Leben

Havening Therapie nutzt die biologischen Reaktionen im Gehirn auf ganz bestimmte sensorische Reize, um belastende Erinnerungen zu heilen und zu integrieren. Durchgeführt wird sie mit Hilfe des „Havening Touch“, einer Sequenz von heilenden Berührungen verbunden mit für den Klienten maßgeschneiderten emotionalen Inhalten.

Dr. Ronald Ruden, ein Internist und Neurowissenschaftler aus New York, machte es sich zusammen mit seinem Zwillingsbruder Steven Ruden zur Aufgabe, die Wirksamkeit der zur Zeit auf dem Markt befindlichen psychosensorischen Methoden der Traumatherapie wie EMDR, EFT, TFT u.a. gründlich zu erforschen. Sie wollten wissen, was daran wirklich funktioniert und kamen schließlich auf einen neuen Ansatz, der die guten Seiten all dieser Methoden zusammenfasst.

Dies erklärt die hohe Wirksamkeit dieser Methode nicht nur im Bereich von Angst und Trauma.

Der oft mit Recht gefürchtete Moment der Trauma-Exposition kann bei einer Havening Behandlung sehr kurz gehalten werden. Anders als bei stark aufdeckenden Methoden wie EMDR oder auch EFT können hier Abreaktionen und Flashbacks in und nach einer Sitzung weitgehend vermieden werden.

Havening eignet sich sehr gut für die Selbsthilfe zu Hause. Es wirklich unkompliziert und kann in weiten Teilen rein ressoucenorientiert durchgeführt werden, während es die traumatischen Kernszenen ausheilt. Es müssen dabei keine genauen Erinnerungen vorliegen, keine Einzelszenen erinnert und auch keine Gefühle differenziert benannt werden.

Der im Gehirn abgespeicherte und als unentrinnbar erlebte Stress in bestimmten Lebenssituationen kann mit Hilfe von Havening Touch biologisch dauerhaft abgebaut werden.

Dies bewirkt bei Angst- und Trauma basierten Störungen sowie anderen psychischen und psychosomatischen Beschwerden ebenfalls dauerhaften Fortschritt und Heilung.

Die Neurobiologie der Wirkung von Havening:

Die Neurobiologie – warum wirkt Havening? Was dabei alles im Gehirn passiert

Die Neurobiologie der Wirkung von Havening:

Hier haben wir die biologische Grundlage für Flashbacks, Übererregbarkeit, Angstzustände und Vermeidungsverhalten, sprich die klinischen Symptome einer PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) und deren Heilung mit Havening:

Damit ein unangenehmes Ereignis im Gehirn traumatisch encodiert wird, braucht es:

  • das Ereignis selbst,
  • eine Wahrnehmung von hoher Bedrohlichkeit währenddessen,
  • eine vulnerable Konstitution im Gehirn zum Zeitpunkt des Ereignisses
  • sowie die subjektiv wahrgenommene Unausweichlichkeit oder Unentrinnbarkeit der Situation.

Erst dann wird eine Lebenserfahrung als traumatisch in der Amygdala abgespeichert. Der Spalt zwischen den einzelnen Zellen dort wird im Moment der traumatischen Erfahrung mit Hilfe der sogenannten Ampa-Rezeptoren blitzartig schnell überbrückt. Und, anstatt sich nach dem Ereignis wieder vollständig zurückzubilden und den neuronalen Spalt wieder vollständig frei zu geben, bleiben diese Ampa-Rezeptoren dauerhaft ausgefahren, bleiben dort festgeklebt und verursachen dadurch diese hohe Erregbarkeit bei allen auch nur entfernt ähnlichen Lebenssituationen.

Durch die Havening Berührung findet ein biologischer Ablöseprozess der Ampa-Rezeptoren im Gehirn statt. Der neuronale Spalt ist danach wieder offen und die hohe Reaktionsbereitschaft in Bezug auf das Ereignis komplett gelöscht.

Es werden während der Behandlung gleichzeitig Hormone und Botenstoffe freigesetzt wie Serotonin, Oxitocyn und Dopamin, der stressbedingte überhohe Cortisolspiegel fällt im Gegenzug ab.

Folglich fehlt nach der Havening Behandlung die biochemische Ursache der belastenden Symptome im neuronalen Gefüge.

Auf Deutsch 😉 – dauerhafte Heilung der seit dem Erlebnis bestehenden Symptome.

Ein Interview mit Dr.Kate Truitt, Traumatherapeutin über ihre klinische Erfahrung mit Havening Therapie im Einsatz bei schwerer Komplextraumatisierung

 Die Übersetzung aus dem Englischen von Anja Corinna Straßner auf dem zweiten Register

Mit freundlicher Genehmigung von Harry Pickens aus seinem Buch über Havening „15 Minutes to freedom“ Übersetzung Anja Corinna Straßner

Zum Original auf Amazon

Interview mit Dr.Kate Truitt

Kapitel 2 aus dem Buch von Harry Pickens, „Fünfzehn Minuten zur Freiheit“

Dr. Kate Truitt, Ph.D., M.B.A.

Dr. Kate Truitt ist approbierte klinische Psychologin, spezialisiert in Traumatherapie mit eigener Praxis in Pasadena, Kalifornien.

Harry: Kate, wie hast Du Havening zuerst entdeckt?

Kate: Ich hatte das große Glück, in Havening im Sommer 2014 durch unseren Kollegen Bill Solz, LCSW [Licensed Clinical Social Worker], eingeführt zu werden. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich selbst bereits über 6 Jahre mit PTBS gelebt und hatte die Hoffnung aufgegeben, bestimmte Symptome und Verhaltensmuster noch zu ändern zu können, die mein Leben geplagt hatten. Du weißt, 2009 erlebte ich ein traumatisches Ereignis, das dazu führte, dass ich eine PTBS [Posttraumatische Belastungsstörung] entwickelte. Mein Partner, mit dem ich 10 Jahre zusammen war, starb plötzlich. Es war eine Woche vor unserer Hochzeit, und ich war auf einer Junggesellinnenabschiedsfeier mit seinen Schwestern eingeladen. Als er mich am Ende des Abends abholen sollte und nicht ans Telefon ging, wusste ich, dass etwas nicht stimmte. Ich nahm ein Taxi nach Hause und kam zu einem dunklen und abgesperrten Haus. Ich hatte meine Schlüssel zu Hause gelassen, also musste ich einbrechen, und als ich ihn fand, war er nicht mehr ansprechbar. Ich war nicht in der Lage, ihn wiederzubeleben. Es war ein entsetzlicher und traumatischer Abend, der einen unlöschbaren Eindruck in mir hinterließ.

Als Klinikerin hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits über ein Jahrzehnt Trauma-Arbeit hinter mir. Ich verwendete in meiner privaten Praxis EMDR [Augenbewegungsdesensibilisierung], TF-CBT [Trauma-Fokussierte kognitive Verhaltenstherapie], CPT [kognitive Prozesstherapie] und TRM [Trauma Resilience Model®]. Ich hatte lebhafte Erfahrung aus der Arbeit mit meinen schwer traumatisierten Patienten. Aber dies war das erste Mal, dass ich selber eine akute traumatische Erfahrung erlebte, die eine traumatische Belastungsstörung mit klinischer Diagnose als Folge hatte.

Ich nahm den üblichen Weg für meine eigene Behandlung. Ich kannte fantastische Fachkräfte in all den Disziplinen, in denen ich ausgebildet war, also kontaktierte ich sie und versuchte jahrelang, davon zu heilen.

Ich hatte das, was man therapieresistente Erinnerung nennt. Das ist eine Erinnerung, die sich durch nichts von der Stelle bewegt und permanent ist. Sie hat sich im Gehirn derart kodiert, dass das Gehirn sie nicht loslassen wird. Diese Erinnerung verursachte Durcheinander in meinem Alltag.

Glücklicherweise hatte ich Freunde und Familie, die mich liebten und mit dem Chaos meiner emotionalen Welt umgehen konnten. Es fühlte sich an, als wäre ich durchgehend in einem verrückten mentalen Raum. Immer wenn jemand mein Haus verließ, willigte diese Person ein, mich innerhalb von 30 Minuten anzurufen oder mir eine SMS zu schreiben, dass er oder sie sicher daheim angekommen war. Wenn man mich nicht innerhalb dieser Zeit anrief oder mir eine Nachricht schickte, brach ich in Panik aus. Ich rief dann immer wieder an, während sich in meinem Kopf Geschichten über ihren möglichen grausamen Tod bildeten.

Ich erinnere mich daran, dass ich einmal zu meinem zwei Stunden entfernten Elternhaus gefahren bin, weil sie nach Hause gekommen und eingeschlafen waren und vergessen hatten mich anzurufen. Ich wusste nicht, dass sie sicher nach Hause gekommen waren. Jeden Tag erlebte ich das Trauma und meine Ohnmacht, ihn zu retten wieder. Ich konnte diese Muster nicht verändern, also hatte ich mein Leben einfach um die Muster herum eingerichtet, aber so zu leben war sehr auszehrend.

Mein Verlobter verstarb eine Woche vor unserer Hochzeit. Der 13. Juni 2009 war die Nacht des Traumas. Ich lebte mit dieser Erinnerung bis ich im Oktober 2014 Havening fand.

Früher im Jahr 2014 war ich bei einer Konferenz eines Behandlungszentrums in Jacksonville, Florida, wo ich zufällig einem Kollegen, Bill Solz, begegnete, der bereits in den Havening Techniques ausgebildet war. Wir fingen an, uns über Trauma-Arbeit zu unterhalten und er erwähnte diese Technik.

Um ehrlich zu sein, klang es zu schön, um wahr zu sein. Aber ich war verzweifelt. Es ging zu diesem Zeitpunkt schon über 5 Jahre und dies war etwas Neues, das auf Neurowissenschaften basierte. Ich habe einen Master of Arts-Abschluss in Psychologie mit Schwerpunkt Psychophysiologie und betrachte mich selbst als Neurowissenschaftlerin. Die Hirnforschung ist mir extrem wichtig. Also dachte ich mir, na gut, es stützt sich auf die Neurowissenschaft; es ist neu, aber ich werde es probieren, weil ich verzweifelt bin.

Ich flog nach New York und während der allerersten Arbeitsgruppe in dieser Konferenz änderte sich alles. An jenem wunderschönen Oktobertag passierte es, dass sich Dr. Steven Ruden, einer der Gründer und Entwickler von Havening, zu meiner Gruppe setzte und sagte „Hat irgendjemand etwas zu bearbeiten?“

Ich sagte ihm, „Ich hab‘ da dieses Problem und ich habe schon alles andere ausprobiert. Was meinen Sie?“ Ich erinnere mich immer noch an das Funkeln in seinen Augen und an sein Lächeln. Er sah mich nur an, so als wollte er sagen: „Wir kriegen das hin.“

Nur ein paar Minuten später veränderte sich diese Erinnerung, für deren Linderung ich bereits deutlich mehr als 10.000 Dollar ausgegeben hatte.

Fünfzehn Minuten später war die Erinnerung anders. Sie war komplett anders. In meiner Erinnerung nahm ich oberhalb der Stelle, an der sich der leblose Körper befand, ein strahlendes Licht war. Und der Name meines verstorbenen Verlobten war John; ich nannte ihn Engel, Johnny Angel, mein Verstand manifestierte einfach dieses Bild während wird arbeiteten. Ich war in der Lage, die Erinnerung jener Nacht durchzugehen, ohne dass etwas belastendes aktiviert wurde. Stattdessen konzentrierte sich mein Verstand durchgehend auf das warme, strahlende Licht und ich fühlte mich friedvoll. Ich war, gelinde gesagt, schockiert. Ich war auch skeptisch.

Erst als ich wieder zu Hause war und mich etwas triggerte, bei dem ich normalerweise direkt in einen Panikkreislauf geraten wäre, wusste ich wirklich, dass sich etwas verschoben hatte. Ich tat zwei Schritte in diesen Panik-Kreislauf und es war als wäre der Schaltkreis meines panischen Gehirns einfach kollabiert. Die Neuronen konnten nirgendwo hin. In diesem Moment brach ich in erleichtertes Gelächter aus. Ich habe niemals wieder diesen Verhaltenskreislauf erlebt.

Das alles in nur fünfzehn Minuten.

H: Fünfzehn Minuten zur Freiheit

K: Fünfzehn Minuten zur Freiheit! Selbst bis zum heutigen Tag spüre ich dieses Glühen, wenn ich darüber spreche, denn meine Güte, wer hätte das gedacht? 90% von mir dachten, dass es nicht funktionieren würde und 10% dachten, vielleicht doch, und ich habe diesen Vertrauensvorschuss gewährt. Seitdem weiß ich, dass Havening die Welt verändern wird.

H: Das tut es eindeutig. Danke für diese Geschichte. Kate, wer sind Deine typischen Patienten?

K: Ich bin spezialisiert auf die Behandlung von PTBS – posttraumatische Belastungsstörung.

Ich habe im Lauf der letzten 10 Jahre eine große Privatpraxis aufgebaut, die mit erwachsenen Überlebenden von sexueller Gewalt im Kindesalter arbeitet und die sich seitdem auf Überlebende jeglichen Missbrauchs ausgeweitet hat.

Das ist der Großteil meiner Patienten, obwohl ich auch mit Menschen arbeite, die irgendeine andere Form von Blockade haben, die Amygdala- oder Angst-basiert ist. Und sehr oft führt das dann zu schwierigen oder belastenden Erfahrungen zurück, die ihr Gehirn traumatisch enkodiert hat.

Ich bilde auch Kliniker aus, die sich auf Sucht, Paartherapie und Essstörungen spezialisiert haben, genauso wie Menschen, die mit Kindern oder Jugendlichen arbeiten. Denn wie wir ja wissen, Stress, Trauma und Depression beeinflussen uns alle.

H: Was hat Dich dazu bewegt, mit Patienten zu arbeiten, die solch hochgradigen Stress und Trauma erfahren haben?

K: Ich habe mit der Erforschung von Essstörungen angefangen. Hier ist ein Teil meiner persönlichen Geschichte angebracht. Ich war ungefähr 10 Jahre lang Model. Ich habe eine gute Freundin, ebenfalls Model, auf Grund von schwerer Anorexie verloren. Daraufhin habe ich meine Modelkarriere beendet und meinen Weg als klinische Psychologin begonnen.

Ich hatte immer das Gefühl, dass die Essstörungen mein Schwerpunkt sein würden, aber je mehr ich arbeitete, forschte und mich klinisch engagierte, desto mehr begriff ich, dass eine Essstörung offensichtlich nur eine Coping Strategie für ein tiefer liegendes Problem war. Ich behandelte Symptome, aber nicht wirklich das, was die Person eigentlich schmerzte – die Erfahrungen aus der Kindheit, die die Essstörungen verursacht hatten. Also änderte ich meine Praxis und meine Forschung hin zur Ätiologie, hin zu dem, was das Problem verursachte, um die Person behandeln zu können.

H: Welchen Platz nimmt Havening in Deinem reichhaltigen Repertoire von Werkzeugen und Interventionen ein? Ist es zu einer Grundlage Deiner Arbeit geworden?

K: Ich muss lächeln, denn wenn ich darüber nachdenke, was ich im Lauf der Jahre alles gelernt und angewandt und integriert habe. So ist alles so viel effektiver und hilfreicher geworden, weil ich jedem beibringe wie man Havening anwendet und ich beziehe es bei jedem mit ein.

Wenn ich irgendeine andere Technik verwende, dann verwenden wir parallel Havening. Wenn wir Gesprächstherapie machen, machen wir Havening während wir reden, um die assoziativen Prozesse zu verstärken. Und wenn ein Ereignis hochkommt und jemand sich an etwas erinnert, das erschütternd oder schmerzhaft ist, gehen wir direkt ins Havening, um es zu heilen. Das ist jetzt das Fundament meiner Praxis. Und meine Patienten gehen in diesem gefestigten, ruhigen und offenen Zustand aus jeder Sitzung, egal wie tief die Arbeit ging.

H: Ja, das ist mir auch aufgefallen. Am Ende einer Havening-Sitzung ist der Patient in einer viel stabileren, klareren und friedlicheren Verfassung, egal wo er begonnen hat. Erzähl mir mehr über Deine Havening-Erfahrungen mit Deinen Patienten. Was sind die speziellen Vorteile, die sie durch Havening haben, gegenüber den vielen anderen Trauma-Techniken in denen Du ausgebildet bist?

K: Was ich daran liebe ist, dass es begleitend zu anderen Methoden einsetzbar ist. Es ist nicht Teil einer bestimmten Denkschule. Es integriert sich wunderbar und kraftvoll in bestehende Ansätze.

Wir können jemanden aus der Psychoanalyse haben, oder aus der Kognitiven Verhaltenstherapie, jemanden aus der Achtsamkeits-Schulung, einen NLP-Anwender oder jemanden aus der Hypnotherapie und jeder von ihnen kann es in seine Praxis miteinbeziehen und sein eigenes Ding daraus machen, während sie auf die grundsätzlichen Prinzipien und Techniken des Havening bauen.

Dr. Bessel van der Kolk, einer der führendsten Trauma-Experten der Welt, wenn nicht sogar der führendste, redet und schreibt darüber, dass nichts ohne einen sicheren Ort erreicht werden kann.  Wenn wir keinen sicheren Ort haben können, dann können wir kein Trauma heilen. Havening bietet dem Patienten diesen sicheren Ort auf elektrochemischer Ebene.

Wenn ich mit meinen Patienten anfange zu arbeiten, haben sich manche von ihnen in ihrem ganzen Leben noch nie sicher gefühlt. Und mit Havening zeigen alle von ihnen die Befähigung, die elektrochemische Entsprechung von Sicherheit in sich selbst zu erzeugen. Auch wenn ihre Körper das noch nie zuvor gefühlt hatten.

H: Dr. Ruden hat fast 10 Jahre mit dem Versuch zugebracht, diesen Vorgang der traumatischen Enkodierung wieder zu dekodieren. Havening entwickelte sich aus seinen Forschungen und er erdachte ein mächtiges neurobiologisches Modell. Basierend auf Deinem eigenen Verständnis der Neurowissenschaften, welches Du schon vor der Entdeckung von Dr. Ruden und Havening hattest, inwiefern ist sein Modell mit Deinem Wissen im Einklang? Glaubst Du, dass Dr. Ruden Recht hat?

K: Ja. Ich denke, er hat es noch besser verstanden, als mir je bewusst war. Das hat mich wirklich ermutigt, nach New York zu fliegen. Wie Du weißt, gibt es den Trainingskurs, der aus 3 DVDs besteht, wenn man eine 2-Tage-Ausbildung bucht.

Bevor ich zu meiner ersten Havening Techniques-Ausbildung nach New York City flog, habe ich angefangen sie zu schauen. Weißt Du, ich hatte bereits eine 200-seitige Thesis über die Abwehrkaskade verfasst, in der sich alles um die Verarbeitung von Informationen in der Amygdala und Traumareaktionen dreht. Und dann machte ich meine eigenen Forschungen bezüglich Informationsverarbeitung und traumatisierten Individuen mit quantitativem EEG und EEG. Das war meine Dissertation für einen meiner Masterabschlüsse.

Der Punkt ist, dass ich sehr viel investiert habe, alles über das Gehirn zu lernen, über Informationsverarbeitung, Traumata und Psychophysiologie. Das war es, was mich bestärkt hatte, nach New York zu gehen. Als ich sein Buch las, waren die Übereinstimmungen mit meinen eigenen Studien beeindruckend. Er nimmt auf dieselben Artikel Bezug, auf die ich mich in meinen Recherchen bezog. Er verweist auf dieselben Bücher. Er verweist auf dieselben Menschen. Er ist Doktor der Medizin (MD) und hat auch einen Doktor in Neurowissenschaften, somit hat er diese Dinge jahrzehntelang erfahren. Sie sind in Einklang mit allem, was mir in meinen nur 10 Jahren der Trauma-Arbeit begegnet ist und er macht das schon 40 Jahre länger. Dr. Rudens Arbeit ermöglichte mir, in der Arbeit in meiner Praxis viel tiefer zu gehen.

H: Was genau macht Havening Deiner Sicht nach, was andere Methoden und Verfahren nicht so einfach oder so umfassend leisten?

K: Havening ermöglicht die Depotenzierung der traumatisch enkodierten Erfahrungen in der Amygdala. Das bedeutet, wir können jetzt hingehen und die Neuronen ins Visier nehmen, die die traumatische Erfahrung im Gehirn aktiv halten. Wir können das Gehirn dazu befähigen, diese Erlebnisse loszulassen, die als Traumafilter für die gegenwärtige Informationsverarbeitung wirken.

Posttraumatische Belastungsstörung ist eine unzutreffende Bezeichnung, weil sie impliziert, dass wir in einer vergangenen Erfahrung leben. Wenn ein Patient durch meine Tür kommt, dann tut er das wegen seiner aktuellen Symptome. Es ist also eine aktuelle Störung, die auf Grund der heutigen Informationsprozesse geschieht, die sich jedoch aus vergangenen Erlebnissen gebildet und entwickelt haben.

Ich erkläre es meinen Patienten so: Ihr Gehirn hat im Moment einen Traumafilter und wir müssen diesen Traumafilter entfernen. Das tut Havening. Es erlaubt uns schnell und effektiv eine traumatische Erfahrung aufzurufen und die traumatisch enkodierten Bestandteile zu entlassen, um damit zu einer ganz normalen Erinnerung zu werden.

Das bedeutet für das Gehirn, dass diese spezielle Erinnerung nicht mehr die gesamte Physiologie von Kampf, Flucht oder Erstarren aktivieren wird, wenn das Individuum auf einen Stimulus trifft, der dem in der traumatisch enkodierten Erfahrung ähnlich ist. Die Erinnerung wird nicht mehr einen Adrenalinflash hervorrufen oder dazu führen, dass die Person zu Essen, Alkohol oder Sex greift, um ihr Nervensystem im Einfluss eines früheren Traumas zu beruhigen. Damit ist das Individuum wieder in einem kraftvollen Zustand eigener Kontrolle. Ich habe noch nie etwas Vergleichbares gesehen.

H: Folglich das Tor zu wahrer Selbstermächtigung des Klienten. Was war die größte Herausforderung oder am Schwierigsten für Dich, als Du Havening in Deine derzeitige Arbeit integriert hast?

K: Die Integration in meine Arbeit war einfach. Meine Patienten haben Beschwerden und ich habe ein Werkzeug, das diese Beschwerden lindert und zu einer großen positiven systemischen Veränderung führt. Sie vertrauen den Techniken. Die Herausforderung für mich war, andere Kliniker dabei zu unterstützen, sich mit der Anwendung der Technik wohlzufühlen. Wenn ich die wissenschaftlichen Hintergründe meinen Patienten erkläre und ihnen die Havening Berührung zeige, und sie die ersten Erfahrungen damit sammeln, sind sie alle an Bord. Sie können sehen, dass es wirkt und nehmen es mit nach Hause und wenden es sofort an. Ich hatte noch keinen einzigen Patienten, der sich dagegen gesträubt hat. Aber als Kliniker, speziell in der Psychologie, wird uns beigebracht, dass Berührung nicht angebracht ist. Havening ist eine Technik, die auf Berührung basiert. Wir haben begleitetes Selbst-Havening, bei dem der Kliniker die Berührung vorführt und der Klient sie an sich selber durchführt, aber selbst das kann schon für einen Kliniker unangenehm sein.

Wenn man sich die Ursprünge von EMDR anschaut, bevor es die Werkzeuge gab, da saß man sehr nah beim Patienten und bewegte seine Finger vor ihren Augen vor und zurück oder klopfte auf ihren Knien. Somit basierte es auf Berührung und EMDR öffnete eine Tür in eine ganz neue Welt psychosensorischer Arbeit.

H: Also liegt das Zögern der Kliniker am existierenden Paradigma, von dem sie herkommen?

K: Genau. Das zu überwinden ist tatsächlich das Schwierigere. Ich arbeite sehr oft begleitend mit anderen Klinikern zusammen und sie sind Zeuge der beeindruckenden Veränderungen ihrer Patienten innerhalb sehr kurzer Zeit. Sie schicken jemanden zu mir, bei dem ein Trauma aufgetaucht ist oder der eines erlebt. Ich mache mit diesem Menschen zwei oder drei Sitzungen, einfach um sie und ihre Amygdala zu klären, und dann schicke ich sie zurück. Dies sind die Kliniker, die sich dann zur Ausbildung anmelden. Sie sehen die transformative Wirkung der Technik und sagen, „Ich will meine Patienten nicht zu Ihnen überweisen müssen, um das zu erreichen“.

H: Ja, natürlich.

K: „Ich will diese Veränderung bewirken.“ Sie melden sich an.

H: Wenn sie also die berührende Erfahrung mit ihrem Patienten gemacht haben, so wie Du, dann schwindet der Widerstand und das Unbehagen, das auf Grund einer Technik, die auf Berührung basiert, vielleicht da war.

K: Genau. Und wenn ich eine Vorlesung oder Präsentation gebe und die Techniken einführe, lasse ich jeden ein bisschen begleitetes Selbst-Havening machen. Dann sagen sie: „Ich will dabei sein. Ich will meinen Patienten helfen, das zu machen.“ Aber das vorherrschende Paradigma im Moment bewirkt, dass die Menschen unsicher sind und nicht wissen, wie sie es effektiv in ihre eigene Praxis integrieren können.

H: Wie gehst Du bei den Patienten mit der Berührungs-Sache um, die eine Geschichte von sexuellem oder körperlichem Missbrauch haben und Berührung auf verletzende Weise benutzt wurde?

K: Ich steige immer mit der Neurowissenschaft ein. Ich erkläre es. „Dies passiert in Ihrem Gehirn“. So verstehen sie, dass sie nicht verrückt sind; dass diese Dinge passieren und ihr Gehirn diese Mechanismen entwickelt. Dann stelle ich die Havening Berührung vor, rein auf der Basis von Neurowissenschaft, damit die Berührung nicht als etwas anderes missverstanden werden kann als nur ein Werkzeug, das Teil einer auf Neurowissenschaft basierenden Technik ist.

Wenn es dann an der Zeit ist, die Aufarbeitung zu machen und Berührung einzubringen, dann mache ich es ihnen zuerst selbst vor. Ich lasse sie die Self-Havening Berührung an sich selbst ausführen. Dann spreche ich über die Pros und Kontras, wenn ich die Berührung ausführe oder wenn sie die Berührung ausführen und unterstütztes Selbst-Havening machen.

Der Nachteil davon, wenn ich die Berührung ausführe, ist, dass ich in ihrer unmittelbaren Nähe sein werde und die Berührung ausführen werde. Der Vorteil, wenn ich die Berührung durchführe ist, dass sie exponentiell erhöhte Deltawellen-Aktivität haben und die Gelegenheit haben, sich vollständig auf die Arbeit zu konzentrieren, anstatt den motorischen Kortex zu lenken und sich gleichzeitig auf die Arbeit zu konzentrieren.

Alles auf der Wissenschaft aufzubauen hat also die Bereitschaft erzeugt. Sie wissen, dass dies pure Wissenschaft ist und alles, was wir tun hat seinen Ursprung in der Fach-Literatur, um den schnellsten und sanftesten Heilungsprozess zu fördern. Schließlich ist es das, was sie wollen. Sie wollen Erleichterung – wollen wir das nicht alle, wenn wir Schmerzen haben?

H: Ja, und die Kombination von sowohl schnell als auch sanft ist profund und beträchtlich.

K: Havening ist die einzige Methode, bei der ich das erlebt habe.

H: Was sind einige spezifische Leiden, die Du mit Havening erfolgreich angehen konntest?

K: Die einfachsten sind Panikattacken und Phobien. Wie Sie wissen sind das in der Amygdala begründete Störungen, somit können wir das Schlüsselereignis finden und sie heilen.

Ich habe fantastische Veränderungen bei Langzeit Depression (MDD) gesehen, insofern, dass Menschen, die ihr ganzes Leben an Depressionen litten, einfach loslassen und vorwärtsgehen konnten. Hier kommt die Stress basierte Komponente der Depression zum Tragen.

Ich sehe genauso Erfolge bei generalisierter Angststörung und natürlich bei PTBS. Ich habe unglaubliche Wandlungen bei komplexer PTBS gesehen, wo ich mit Individuen gearbeitet habe, die absolut hoffnungslos waren, die von furchtbaren Dingen erzählten, die in ihrer Kindheit geschehen waren, die sie überlebt hatten und seitdem in diesem chronischen Traumakreislauf lebten. Wenn unsere Arbeit erledigt ist, sagen sie immer, sie seien geheilt. Das ist ihre Ausdrucksweise, was unglaublich für mich ist.

Ich arbeite auch viel mit therapieresistenten Schmerzen; anders ausgedrückt, mit Schmerzen, die keine physiologische Ursache haben. Ich bin von dieser Arbeit so beeindruckt, aber wie wir wissen, enkodiert die Amygdala den Schmerz.

Ich arbeite auch viel mit Individuen, die hohen chronischen Stress haben und schon mehrere Herzanfälle hatten. Ich arbeite mit ihnen, um ihren Stress zu senken, damit ihr Nervensystem sich beruhigt. Wir haben erlebt, wie Blutdruck auf unglaubliche Art und Weise fällt. Ich habe viele Kardiologen, die zu mir überweisen. Havening ist so ein vielfäliges Werkzeug für so viele Dinge.

H: Wir haben bereits darüber gesprochen, dass Du Deine Therapie umgestellt hast. Zuvor hast Du mehrere verschiedene Werkzeuge und Methoden benutzt, um Traumata zu bearbeiten. Heute ist Havening Teil von allem, was Du tust. Ich würde gerne noch mehr erfahren über den genauen Unterschied zwischen EMDR, das zum selben Endresultat gelangt, was die Auflösung der traumatisch enkodierten Erinnerung betrifft, aber auf eine ganz andere Art dahin gelangt als Havening, und warum Du Dich entschieden hast, immer mehr zu Havening überzugehen.

K: Ich habe mit der EMDR Ausbildung 2004 begonnen, das ist 12 Jahre her. Es hat mich total beeindruckt. Es war unglaublich. Es war wirklich das neue heiße Ding. Allerdings gab es ganz bestimmte Patienten bei denen ich sehr zögerte es einzusetzen und das aus sehr gutem Grund.

Eine der Begleiterscheinungen von EMDR ist, dass man jemanden „aufdeckt“ und obwohl sie Tresore und sichere Orte und all diese Protokolle geübt haben, funktioniert es oftmals nicht, die schlimmen Erinnerungen vor dem Ende einer Sitzung wieder stabil zuzumachen.

Manchmal öffneten wir ein assoziatives Netzwerk im Gehirn und die Person blieb darin trudelnd zurück. In meiner Praxis arbeite ich mit komplexer PTBS, folglich habe ich viel mit Persönlichkeitsstörungen zu tun. Ich arbeite mit vielen selbstverletzenden Personen. Ich habe viele Leute, die mit Suizidalität kämpfen. Jemanden zu aufdeckend zu öffnen und ihn dann mit dem Risiko nach Hause zu schicken, dass er in der Notaufnahme landet, egal ob wegen 27 Stichen einer selbstzugefügten Wunde oder wegen eines Selbstmordversuchs, ängstigt mich ziemlich.

Und dennoch wusste ich, um wirkliche Heilung zu erlangen, müssten wir in der Lage sein ins limbische System vorzudringen, denn Gesprächstherapie funktioniert nicht bei Traumata. Ihr präfrontaler Kortex ist nicht zugänglich. Also verwendete ich oft EMDR, aber es war mit vielen meiner Patienten nervenaufreibend.

H: Es war für Dich speziell wegen dieser Assoziationsketten nervenaufreibend?

K: Aus einer Vielzahl von Gründen. Einer war, dass wir gerade an einem hochtraumatischen Ereignis arbeiten und wir während der Sitzung halb durchkommen, dann endet die Sitzung und wir haben die Aufarbeitung nicht zu Ende gebracht.

Klassischerweise benötigt EMDR acht bis zehn Sitzungen, um ein einzelnes Trauma aufzuarbeiten. Also musste man sie mittendrin nach Hause schicken, aber einige ihrer Verteidigungsmechanismen, die ihnen vorher geholfen hatten, damit zu leben, konnten sich verändert haben und dadurch nicht mehr funktionieren.

Oder man arbeitet an einer traumatischen Erfahrung und sie haben kein Werkzeug, welches sie nutzen könnten, um sich zwischen den Sitzungen selbst zu beruhigen. Die Belastung wurde aktiviert.

Ich erlebte auch oft Patienten, die in der Sitzung dissoziierten. Sie hatten eine wirklich starke Abreaktion und es gab keine Möglichkeit, sie dabei zu unterstützen sich wieder zu beruhigen und die Aufarbeitung fortzusetzen, denn nun waren sie in einem völlig dissoziativen Zustand.

Sie reißen sich die Kopfhörer herunter, das bilaterale Audio, sie schmeißen die Summer fort, sie schauen nicht auf das Licht und kippen einfach komplett weg in ihre innere Welt. Ich muss all mein Training einsetzen, einfach nur um sie wieder zu erden und zurück zu bringen. Gott sei Dank hatte ich einen Haufen anderer Methoden.

Aber in jenen Momenten war es wirklich ängstigend. Ich verlangte von ihnen, sich in die schlimmste Sache ihres Lebens zurück zu versetzen und das immer wieder noch einmal zu erleben, während man sieht, dass es jedes einzelne Mal wieder eine schrittweise Veränderung gibt, was großartig war.

Aber es gab einige Dinge, die einfach zu groß waren. Einige Leute hatten so ein heftiges Leben, dass ich acht Monate mit Ressourcenaufbau verbringen musste, bevor wir mit der Trauma-Verarbeitung auch nur beginnen konnten. Oftmals führte das zu Konflikten, denn in ihren Augen arbeiteten wir nicht wirklich. Sie erkannten nicht, dass dieser Ressourcenaufbau ein wirklich wichtiger Teil der Arbeit ist, egal wie oft ich es erklärte, sie brachen die Behandlung ab und sagten, sie wollten an diesem Trauma arbeiten und sich nicht mit anderen Dingen in ihrem Leben besser fühlen.

EMDR ist immer noch ein fantastisches Werkzeug. Ich verwende beim Havening immer noch viele EMDR-Komponenten. Ich verwende immer noch viele der Protokolle und finde sie sehr effektiv. Und ich habe festgestellt, dass es bestimmte Wirkungen beim Havening gibt, die transformativ sind.Das entscheidende ist, dass ich mehr Erfahrungen schneller durcharbeiten kann, ohne Gründlichkeit oder Wirkung einzubüßen.

Hier ein Beispiel. Heute Abend hatte ich eine Patientin da, direkt vor unserem Telefonat, mit der ich komplett ohne Inhalte arbeite. Sie brachte eine Liste von 15 verschiedenen hochtraumatischen Erfahrungen mit und ich weiß von keiner davon auch nur irgendetwas. Ich mache 45-60 minütige Sitzungen, in denen wir jedes einzelne Erlebnis komplett aufarbeiten.

Es hätte also umfangreichere Bearbeitung benötigt, jedes Trauma hätte wahrscheinlich 8-10 Sitzungen benötigt. Manchmal kann man die Neutralisierung ausweiten, aber im Prinzip war es immer eine Sitzung pro Element. Manchmal machen wir jetzt zwei Traumata in einer Sitzung, weil wir schon vier oder fünf Sitzungen gemacht haben, wegen dem Effekt der exponentiellen Wirkung von Havening. Wir arbeiten an einem Ereignis und die Heilung zieht sich in Bezug auf ein bestimmtes Gefühl, einen bestimmten Zustand oder bestimmten kognitiven Flashback durch alle hindurch.

Und es ist sanft. Sogar wenn sie abreagiert, weint, zittert, auf eine Art und Weise ihr Trauma auslebt, nennt man das eine Trauma-Entladung. Die wollen wir. Das ist gut, weil die Havening Berührung GABA und Serotonin freisetzt, ihr System ist dadurch eigentlich sehr ruhig. Auch wenn sie mittendrin steckt, ist sie immer noch bei mir anwesend, ich kann immer noch eingreifen, und ich habe ein Werkzeug, mit dem ich sie sofort erden kann, das Event Havening, falls das Transpirational Havening (Freisetzungs-Havening), bei dem es sich um eine tiefere, komplexere neuronale Arbeit handelt, zu viel für sie wird. Ich weiß, dass ich ein Werkzeug habe, mit dem ich sofort die Aufarbeitung stoppen kann und sie innerhalb von Minuten zurück in die Gegenwart holen kann.

H: Also sorgt der Prozess selbst eine stärkere Erdung.

K: Ja. Meine Patientin hat außerdem etwas, was sie zwischen den Sitzungen mit nach Hause nehmen und anwenden kann. Wenn sie also irgendwie von irgendetwas aktiviert würde (und viele meiner Patienten leiden an wirklich, wirklich schwerer, komplexer PTSD, und so haben sie die ersten zwei oder drei Sitzungen mit Albträumen zu kämpfen, oder haben immer noch Panikattacken), haben sie ein Werkzeug, das sie sofort nutzen können, um es zu stoppen, ohne nach Benzodiazepin zu greifen.

H: Ja.

K: Sie werden also gestärkt, ihre eigene Heilung herbeizuführen. Der letzte Grund ist, dass es so viel schneller ist. Eine meiner Patientinnen kam vorbei und sprach bei der Ausbildung, die ich leitete. Sie kam und gab einen wunderbaren Erfahrungsbericht und beantwortete die Fragen aller Anwesenden.

Wir hatten 12 Sitzungen lang zusammen gearbeitet und sie war Überlebende von wirklich schwerem sexuellem Missbrauch in der Kindheit. Der Täter lebte im Haus und verging sich fast jeden Tag an ihr. Und wir haben nur 12 Sitzungen gebraucht! Wir hörten auf! Unsere Arbeit war getan! Ich kenne nichts anderes, das das kann. Sie war zurück auf Arbeit. Dynamisch, lebhaft, kraftvoll, keine Albträume, keine Panik. Ich kann noch tiefer in die Neurowissenschaft all dessen einsteigen, aber es waren im Prinzip sämtliche Symptom-Marker, die wir von der PTBS kennen, nicht länger vorhanden.

Nenne mir etwas anderes, was dies in 12 Sitzungen erreichen kann. Sie steht da oben und sagt: „Das ist das absolut wunderbarste überhaupt; jede Sitzung ging ich raus und fühlte mich klarer und stärker.“ Das war das Ding mit EMDR. Die Leute gingen raus und waren am Boden zerstört. Sie erreichten zwar irgendwann das Endergebnis, aber es war eine Qual sie zwischendrin in einem Zustand von Schmerz und Leid wieder in ihre Welt zu schicken.

H: Danke. Das ist eine schöne und deutliche Erklärung der Unterschiede.

K: Bitte.

H: Gibt es andere Fälle von denen Du gerne erzählen würdest?

K: Mir fällt da noch eine andere Patientin ein. Ich habe etwas EMDR mit ihr gemacht und wir pausierten das schließlich, da ihr gegenwärtiges Zuhause zu chaotisch war und dem gewalttätigen, missbrauchenden Zuhause, in dem sie aufgewachsen war zu sehr ähnelte.

Obwohl ihr gegenwärtiges Zuhause nun sicher war, re-kreierte sie das Chaos ihrer Kindheit in ihrem jetzigen Leben, so wie wir es von vielen unsereren Patienten kennen– Wiederholungszwang. Dies war eine höchst, höchst dissoziative Patientin.

Ich erinnere mich ganz besonders an eine Sitzung als ich mit ihr arbeitete, das ist ungefähr 10 Jahre her. Ich war in einer Klinik, die einen Raum für Spieltherapie hatte. In diesem Zimmer war ein Puppenhaus und aus welchem Grund auch immer, ich erinnere mich im Moment nicht daran, gingen wir schließlich in diesen Raum für unsere gemeinsame Arbeit. Ich glaube, das Zimmer, das ich normalerweise benutzte, wurde renoviert. Also gingen wir in dieses Büro, sie sah das Puppenhaus und fiel in einen absolut dissoziativen Zustand, und regredierte in ein Alter von etwa 5 Jahren. Ehrlich gesagt schüchterte mich das ziemlich ein.

H: Kann ich mir vorstellen.

K: Wir hatten etwas EMDR gemacht und hatten an einer Erinnerung im Alter von 5 Jahren gearbeitet. Das Puppenhaus kam in der Erinnerung, die wir bearbeiteten, nie vor, sonst hätte ich sie selbstverständlich niemals in dieses Zimmer gebracht.

H: Natürlich.

K: Im Prinzip regredierte sie in den Zustand der letzten Erinnerung, die wir bearbeitet hatten. Es war in einer ambulanten Klinik und ich brauchte vier Stunden, um sie wieder zu erden, sie zu zentrieren, sie dazu zu bekommen, sich zu sammeln und wieder zusammenzusetzen. Nach diesem Erlebnis hatte sie große Angst davor, jemals wieder EMDR zu machen. Sie hatte noch nie zuvor in ihrem Leben so etwas erlebt. Wir hatten ihre schützende Abwehr entfernt und sie hatte nicht die Kraft dazu, obwohl wir ihre Tresore und ihren sicheren Ort aufgebaut hatten und den ganzen Ressourcenaufbau gemacht hatten.

Es war eine Klinik, die geringe Gebühren verlangte, so konnten wir eine wirklich lange Zeit miteinander arbeiten, und sie hat wirklich unglaubliche Arbeit geleistet. Wir hatten alle Protokolle durchgeführt, die für EMDR mit jemandem, der an schwerer PTBS litt, erforderlich waren. Ich sah sie 2-3 Mal in der Woche. Somit hatte sie eine richtig starke Struktur um sich. Aber nach diesem Zwischenfall – ihr war so etwas noch nie zuvor passiert – weigerte sie sich, es jemals wieder zu versuchen.

Im Lauf der Jahre schickte sie mir Emails, wie es ihr so erging, wie es manche Patienten machen, was immer ein Geschenk ist. Ihr ging es ein bisschen besser, aber sie hatte immer noch seit jenem Mal einige regressive Zustände. Sie probierte mit jemandem TFT (Thought Field Therapy) und zog etwas Nutzen aus der Methode, weil sie sie mit nach Hause nehmen konnte. Jedoch hatte sie immer noch große Angst vor wirklicher Aufarbeitung. Und das verdenke ich ihr nicht.

Als ich die Havening-Ausbildung abgeschlossen hatte und nach Fallstudien suchte, kam sie mir in den Sinn. Ich hatte noch etwa 1 Jahr lang mit ihr nach dem Zwischenfall mit dem Puppenhaus gearbeitet. Zu dem Zeitpunkt, als wir unsere Arbeit abschlossen, war sie in guter Verfassung und sie war bereit unabhängig und nicht mehr in Therapie zu sein.

Ich kontaktierte sie und sagte: „Wir haben immer noch ein bisschen Arbeit vor uns. Wären Sie bereit so eine Technik auszuprobieren?“ Sie hatte gerade erst einen Autounfall gehabt. So sagte sie: „Gut. Aber wir arbeiten nur daran.“

Ich war einverstanden. Das ist akutes Trauma, das ist perfekt. Wir werden an dieser einen Sache arbeiten und nur das Event Havening benutzen. Ich wusste, wir würden nicht in irgendwelche alten Erinnerungsbahnen geraten. Sie kam vorbei und wir arbeiteten den Autounfall auf und nach 10 Minuten war er komplett geklärt. Sie hatte Angst davor gehabt, Auto zu fahren und war in den letzten 2 Monaten wegen dem Unfall nicht gefahren. Aber Sie wissen ja, wie das funktioniert. Es ist einfach so schnell. Sie macht ihre Augen auf und sagt: „Das war erstaunlich. Mir geht es gut.“

Wir hatten 90 Minuten ausgemacht, falls wir extra Zeit brauchten, da es schon eine Weile her war. Ich sagte: „Also wir haben noch 80 Minuten übrig, was wollen Sie tun?“ Und sie hätte einfach sagen können: „Nein, schon okay. Vielen Dank, das war großartig, lassen Sie uns Gesprächstherapie machen oder irgendetwas, das ist in meinem Leben passiert.“

Aber sie sieht mich an und sagt: „Ich will zu der Erinnerung zurück.“ Ich wusste sofort, was sie meinte. „Ich vertraue Ihnen. Wir haben eine Menge guter Arbeit mit EMDR geleistet und wir haben viel darüber gesprochen es zu vertagen, und das war die richtige Entscheidung. Das war nichts für mich. Aber ich frage mich, ob das hier etwas anderes tun kann. Ich habe mich mein ganzes Leben lang noch niemals so ruhig und klar gefühlt innerhalb von zehn Minuten.“ Also sage ich, „okay.“

Um ehrlich zu sein, war ich ein bisschen nervös. Ich begann mit dem Havening. Sie hatte noch einiges an Deltawellen-Aktivität in ihrem System von der Arbeit an dem Autounfall. Dann begannen wir in sehr kleinen Schritten an der Erinnerung im Alter von 5 Jahren zu arbeiten. Wir streiften nur kleine, nebensächliche Aspekte.

In diesen achtzig Minuten arbeiteten wir die gesamte Erinnerung auf, runter auf 0, und sie bestand aus sehr vielen Komponenten. Als wir runter auf eine 2-3 auf der SUD Skala kamen, fing ich an, etwas Transpirational Havening (Freisetzungs-Havening) einzubringen und sie begann, ganze Erinnerungsnetzwerke kollabieren zu lassen.

Ich erinnere mich, dass sie ihre Augen öffnete, als wir fertig waren und es war einer dieser Momente. Ich habe gelbe Wände in meinem Büro und das passierte schon sieben oder achte Mal mit verschiedenen Patienten. Sie schaute sich um und sagte: „Die Wände sind gelb, die waren nicht gelb, als ich reinkam.“ Und wir wissen, was das ist. Das ist die Umverteilung des Serotonins. Das ist die Abnahme von Dopamin im Thalamus und der Amygdala, somit haben sie nicht mehr diese überaufmerksame Erfahrung, dass sie den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen können. Plötzlich nimmt sie normale Sinneseindrücke auf.

H: Bemerkenswert.

K: Es war einfach transformierend. Und das war eine Sitzung. Also machten wir noch sieben weitere Sitzungen und auf einmal fängt sie an, diese riesigen, weitreichenden Veränderungen in ihrem Leben vorzunehmen. Sie zieht aus dem Haus ihres Partners aus. Ihr Freund war missbräuchlich ihr gegenüber gewesen. Sie wechselt ihre Arbeit. Sie geht wieder zur Schule. Alles verändert sich.

Sie bricht den Kontakt mit ihrer Familie komplett ab, zieht strenge Grenzen, sie ruft sogar die Kinderschutzbehörde (CPS-Child Protective Services) wegen ihrem Vater. Ich wusste nicht, dass das eine Komponente war, als wir ursprünglich miteinander gearbeitet hatten, aber sie brachte es in einer Sitzung. Sie sagte: „Also, wissen Sie, ich habe eine Nichte. Ich mache mir Sorgen, weil mein Papa mit meiner Nichte Umgang pflegt.“ Sie weiß, dass ich das von Gesetzes wegen melden muss, also frage ich sie „Wollen Sie, dass wir diesen Anruf zusammen machen?“ Ihre Antwort haute mich um, sie sagte „Deswegen bringe ich es an, ich habe es bisher noch nie angesprochen, weil ich zu viel Angst davor hatte, dass die Kinderschutzbehörde auftaucht.“ Sie kannte das System, denn sie war selber im System gewesen. Plötzlich sagte sie: „Ich hole meine Nichte zu mir, ich werde sie zu mir nach Hause bringen, ich beantrage das Sorgerecht.“ Ich denke mir, „Wer bist du?“ Das ist wundervoll.

H: Ja, sie hat sich ihre Kraft vollständig zurückgeholt.

K: Ja, und die Albträume waren verschwunden. Die Panikattacken waren verschwunden. Die Selbstverletzung war verschwunden.

Nach meiner letzten Sitzung mit dieser Patientin rief ich Dr. Steven Ruden an und fragte ihn, ob ich Trainer werden könnte, denn wir brauchen mehr. Wir brauchen mehr. Wenn Havening das erreichen kann, dann brauchen wir mehr.

H: Wie viele Sitzungen nach der ursprünglichen 90-Minuten-Sitzung?

K: Sieben. Sieben 90-Minuten-Sitzungen innerhalb mehrerer Monate. Üblicherweise mache ich keine 90-Minuten-Sitzungen, aber mit ihr machte ich das, weil wir uns durch wirklich heftige Dinge durcharbeiteten. Zugegeben, sie hatte bereits sehr viel Therapie gemacht, so war sie gerüstet, sie war vorbereitet. Sie war dafür bereit. Also hatte sie diese Erkenntnisse und ganz plötzlich, nach zehn Jahren Therapie sagte sie: „Oh, das habe ich schon immer gewusst, aber jetzt fühle ich es.“ Das ist das Geschenk des Havening. Die Erfahrung, diese Wahrheit im Körper zu spüren, statt die Wahrheit nur zu kennen.

H: Die Möglichkeiten, die auf Grund der Einführung dieser Technik und auf Grund des neurobiologischen Verständnisses entstehen, sind dabei, nicht nur die Art und Weise wie wir mit Trauma umgehen, zu transformieren, sondern wie wir den Menschen überall helfen können, in jeder Hinsicht zu heilen.

K: In jeder Hinsicht. Ich denke, einer meiner echten Aha Momente vor allem in meiner Arbeit mit ihr, und weil ich die Folgen komplexen Traumas auf die Hirnentwicklung kannte, war, dass ich tatsächlich damit begonnen habe, die spezifischen Havening Techniken, die ich benutzte, für sie maßzuschneidern, um ganz bestimmte Missverhältnisse in ihrem traumatisierten Gehirn zu adressieren.

Ich fange an, diese Aussage zu verstehen, wenn sie Folgendes sagt: „Wenn ich mir das Gesicht meiner Mutter in Erinnerung rufe, sehe ich nur schwarz.“ Das bedeutet, dass ihr innerer Gyrus Cinguli oder ihr Gyrus Cinguli gewisse Rezeptoren nicht abrufbereit hat. Und ihre periaquäduktales Grau ist zu überaktiv/überstimuliert, so dass wir nicht andere Aspekte, die mit Abstimmung und Bindung zu tun haben, erreichen können, in denen das periaquäduktale Grau involviert ist. Also können wir beginnen, die Interventionen auf diese Weise maßzuschneidern. Ich glaube, das war eine der ersten Techniken, mit der ich das auf so praktische und aktive Weise in der Planung meiner Behandlungen und Interventionen tun konnte. Das war cool.

H: Hirnchirurgie mit den Handflächen.

K: Das ist für mich das Coolste überhaupt.

H: Ich habe mich neulich mit Carol Robertson unterhalten, eine Havening-Ausbilderin in Schottland. Sie sagte: „Ich bringe den Menschen bei, wie sie ihre eigene Neurologie gestalten. Und ich liebe diese Bildhauer-Metapher. Es scheint so, als sprechen Sie ebenfalls davon, wenn Sie aufzeigen, dass das Gehirn aus diesem Grund nicht erreichbar ist. Sie benutzen das Havening und die anderen Methoden, um dem Patienten zu helfen in Echtzeit diesen speziellen Aspekt ihrer Neurologie neu zu gestalten. Das ist wahrhaftig bemerkenswert.

K: Das ist es. Ja, bemerkenswert. Passender Ausdruck.

H: Wie denkst Du, wird sich Havening in der Praxis für psychische Gesundheit in zehn bis zwanzig Jahren in der Zukunft auswirken?

K: Ich denke, es wird die Welt verändern, Harry! Nicht nur auf Grund der Schnelligkeit, mit der wir Resultate bekommen, sondern weil man es selbst anwenden kann und weil wir die grundsätzlichen Prinzipien Schülern beibringen können. Ich bringe es all meinen Eltern bei und sie wenden es an ihren Kindern an. Somit haben wir die Fähigkeit, tatsächlich zu beginnen, die Zukunft zu verändern, in dem wir diese Technik im Leben eines Jeden einführen und einbinden. Das geht weit darüber hinaus, was wir jetzt in unseren klinischen Praxen tun.

H: Du hast geantwortet, dass Havening genauso von Menschen genutzt werden kann, die keine Berater, Psychologen, Therapeuten usw. sind. Wo fängt man an, Havening zur Selbstfürsorge anzuwenden? Beginnt es damit, die Berührung zu lehren? Wie weit kann ein Einzelner dabei gehen, der nicht auf solche Weise ausgebildet worden ist?

K: Zunächst bringe ich ihnen die direkte Berührung bei, die Havening Berührung. Dann führe ich sie durch die grundlegende Ablenkungstechnik. Somit ist es für jeden geeignet, bei dem sich irgendetwas aktiviert. Also kann das Kind nach Hause kommen und sagen: „Mama, ich wurde heute in der Schule gepiesackt und das hat mich so aufgeregt“, und Mama kann sich hinsetzen und an der kleinen Sally die Havening-Berührung anwenden und sie können zusammen „Funkel, funkel, kleiner Stern“ summen und sich vorstellen, mit einem Welpen Stöcke werfen zu spielen etc. Das löst den Stress der Erfahrung, während eine robuste Landschaft geschaffen wird, die das Gehirn davor schützt, diese Erfahrung von Angriff und Stress zu enkodieren.

Auf diese Ebene gehe ich mit all meinen Patienten, ob es nun selbst angewandt ist oder ob sie es an jemand anderem anwenden. Selbst wenn ich Vorträge halte, egal ob es mit Laien oder meinen Kollegen aus dem klinischen Bereich ist komme ich immer auf das Event Havening zurück, denn das kann man wirklich nicht vermasseln. Und das ist das Schöne daran. Man gibt seinem System GABA und Serotonin und man fühlt sich gut.

Ich bringe den Leuten nicht bei, aktiv die aufdeckende Komponente durchzuführen. Denn meiner Erfahrung als Traumaspezialistin nach kennen wir nie genau die Schichten, die vielleicht noch unter etwas liegen. Ich hatte Patienten, denen ich die Technik beibringe, die sagen, sie wollen das alleine machen und dann bekomme ich einen Anruf von der Notaufnahme, weil sie sich selbst in eine Panikattacke versetzt haben. Also lehre ich das nicht eigenständig, bis ich ihre ACEs [Adverse Childhood Experiences -Traumatisierenden Kindheitserfahrungen] einschätzen konnte. Wie verletzlich und sensibilisiert sind sie? Denn genauso ist ihre gegenwärtige Widerstandskraft im Gehirn.

Bis wir also eine ganze Menge abgearbeitet haben, wenn ihr ACE Score sehr hoch ist und ihr Gehirn verletzlich ist, stelle ich sicher, dass sie zunächst einmal widerstandsfähig sind, und dann gehe ich erst zum Event Havening über, wo sie tatsächlich traumatische Erfahrungen verarbeiten.

H: Wie weit gehst Du bei Personen in Bezug auf das Lehren des grundlegenden Event Havening, die einen guten Eindruck machen, aber Traumaebenen darunter liegen haben könnten?

K: Ich lehre es sie als Selbsthilfe Methode. Etwas passiert und man fühlt sich getriggert, man fühlt sich reaktiv und verärgert oder beunruhigt oder frustriert. Dann sage ich, sollen sie anfangen, die Berührung auszuführen, anfangen, in die Ablenkung zu gehen und das einfach sofort zu tun. Es ist eine umgehende Intervention für den alltäglichen Stress. Das an sich wird schon den rückwirkenden Effekt haben, ihr Nervensystem sanft zu beruhigen.

Je mehr man generell Havening anwendet, desto ausbalancierter ist das System. Aber ich verlange nicht, dass sie aktiv zurückgehen und alleine Trauma Aufarbeitung machen. Sie gehen nicht zurück und suchen danach, und tauchen dann aktiv darin ein. Der Unterschied ist die Aufdeckungskomponente. Ich will nicht, dass sie an sich selbst Aufdeckungstherapie machen, denn wir wissen nicht, wohin sie das führen könnte. Jeder, der eine Erstsitzung mit mir verlässt, weiß wie er sein Nervensystem reguliert.

H: Machen wir mit diesem Thema weiter. Gibt es andere spezifische Situationen in denen es nicht ratsam wäre, als Kliniker oder als jemand in der Selbsthilfe Havening zu benutzen?

K: Nicht wirklich. Das Wichtigste, das ich meinen Patienten erzähle, ist, dass allem zugrunde die Sicherheit liegt. Wenn man also die Technik an sich selbst anwendet, soll man sich sicher und wohl fühlen, während man die Berührung anwendet. Nun, ich hatte einige Patienten, die sich unwohl dabei fühlten, bestimmte Berührungen anzuwenden, also machten sie nur ihre Hände und nicht ihre Wangen. Aber es ist die Wahl des Patienten, was auch immer bei ihm Resonanz findet und was für ihn angenehm ist. Wenn die Person, die das Havening bekommen wird, der Empfänger der Berührung, geäußert hat, dass sie sich beim Empfangen der Berührung sicher und wohl fühlt, dann kann man weitermachen.

Ich sage den Paaren, mit denen ich arbeite, sie sollen nicht aufstehen und anfangen Havening am Partner anwenden, wenn sie sich gerade streiten, denn sie möchten vielleicht von dir nicht angefasst werden. Die Berührung wird nicht funktionieren bevor Du ein Gefühl von Sicherheit hast. Das System wird die Berührung zurückweisen. Das sind die wichtigsten Dinge.

Die andere Sache betrifft die Berührung selbst, die Frequenz muss ziemlich genau sein. Wenn sie zu schnell ist oder zu harsch, dann wird sie nicht denselben Effekt haben und kann sogar das System erschüttern. Es ist also sehr wichtig, dass man ein Gefühl dafür hat, wie man die Berührung wirkungsvoll einsetzt. Davon abgesehen gibt es wirklich keinen Zeitpunkt, zu dem es nicht in Ordnung wäre. Selbst wenn man im Verkehr von LA unterwegs ist, und anhalten muss und man nicht weiß, warum, und man fängt einfach an Havening anzuwenden, dann wird man sich wegen dem GABA und dem Serotonin besser fühlen. Dann Hände wieder zurück ans Steuer und losfahren.

H: Ich mache es im Alltag die ganze Zeit.

K: Ich sitze gerade hier und mache es, während wir uns unterhalten.

H: Ich auch.

K: Wie wir wissen, integriert es sich einfach. Es ist erstaunlich, dass meine Patienten hereinkommen, sich in meinem Zimmer hinsetzen und es zu einem Havening-Raum wird. Sie reden, und bevor man sich versieht, machen sie Havening und merken es nicht einmal, denn das Gehirn will diesen sicheren Ort.

H: Wenn Du mit Deinen Kollegen, anderen Psychologen, Klinikern, Beratern und Menschen, die professionell im Bereich der seelischen Gesundheit arbeiten, sprechen würdest, was würdest Du ihnen sagen? Welchen Rat würdest Du jemandem geben, der vielleicht Havening als Werkzeug hinzufügen möchte?

K: Ich würde sagen, dass es drei Hauptgründe gibt, aus denen man Havening zu seinem Werkzeugkoffer hinzufügen sollte.

Nummer eins ist, dass es eine effektive und anpassungsfähige Methode ist. Und wegen der elektrochemischen Umgebung, die das Havening in Geist und Körper erschafft, wird die traditionelle Psychotherapie effektiver sein, denn es entfernt den Amygdalafilter aus dem psychotherapeutischen Prozess.

Man kommt einfach schneller auf sicherere Weise in tiefere Schichten. Es durchbricht Widerstände auf sanfte und behutsame Weise. Es hilft der Person, sich durch den Widerstand zu bewegen. Es hilft ihnen dabei, sich sicher zu fühlen, wenn sie beängstigende Orte aufsuchen. Es ist die effektivste Methode, die ich je gesehen habe, um sanft und effektiv komplexe PTBS zu heilen.

Nummer zwei, der Patient kann es mit nach Hause nehmen. Sie haben etwas, das sie zwischen den Sitzungen wirkungsvoll benutzen können und sie können sich dabei stark fühlen. Plötzlich haben sie ein unglaubliches Werkzeug, dass sie benutzen können, wenn sie in Rage geraten oder eine Panikattacke haben oder nicht schlafen können. Ich behandle viel Schlaflosigkeit. Jetzt haben sie eine unmittelbare Intervention, die schnell und effektiv ist.

Die meisten meiner Patienten machen drei bis fünf Mal am Tag für 2 bis 5 Minuten Havening. Das sind nur 10 bis 30 Minuten pro Tag, die massive Veränderungen bewirken, in der Art und Weise wie der Körper Informationen verarbeitet. Sie wollen es tun und sie bemühen sich auch darum.

Plötzlich machen sie also Havening und sagen: „Ich wusste nicht einmal, dass ich Havening gerade anwende“, und sie fühlen sich so viel besser. Sie haben ein sofort verfügbares Werkzeug und als der Kliniker, der es ihnen zeigt, stärken Sie sie. So wissen sie, dass sie zwischen Ihren Sitzungen etwas haben, dass sie nutzen können und bei dem sie sich sicher und außer Gefahr fühlen können und von dem sie wissen, dass es funktionieren wird.

Und schließlich, Drittens, Havening bietet nicht nur für unsere Patienten einen sicheren Raum, sondern erschafft auch einen sicheren Hafen im Kliniker, dem Versorger, denn wir erhalten auch Deltawellen, welche das grundlegende Werkzeug sind, auf dem Havening basiert. Also empfangen wir Havening und obwohl wir empathisch und präsent sind und auf unseren Patienten eingeschwungen sind, enkodieren wir nichts.

Das ist wirklich essentiell als Traumaspezialist. Ich weiß von allen meinen Kollegen, wir alle teilen mit unseren Patienten sehr schwierige Lebenserfahrungen und sehr schmerzhafte Dinge. Deswegen kommen die Menschen in unsere Praxen, weil das Leben hart ist und weh tut. Die meisten meiner Kollegen sind sehr mitfühlende Menschen; wir tragen diesen Schmerz und wir erleben ihn mit unseren Patienten.

Trauma kann in der ersten Person passieren, es kann uns passieren. Es kann in der zweiten Person geschehen, wir sehen es neben uns, oder in der dritten Person, wir hören davon. Havening schützt vor dem Trauma in der zweiten Person und vor der Stellvertretertraumatisierung.

Noch besser ist, man geht am Ende des Tages durch die Tür und man trägt nicht die Last von allem mit sich. Man geht raus und denkt sich: „Ich hatte den ganzen Tag eine fantastische Gehirnmassage während ich mit meinem Patienten unbeschreibliche Arbeit geleistet habe. Jetzt kann ich nach Hause gehen zu meiner Familie, ohne irgendetwas davon mit nach Hause zu nehmen.“ Das ist unglaublich, besonders als Traumaspezialist. Ich darf nach Hause gehen und mein Leben leben und wissen, dass ich unglaubliche Arbeit geleistet habe und muss nicht die Last ihrer Traumata mit mir tragen.

H: Danke, Kate.

 

Übersetzung aus dem Englischen von Anja Corinna Straßner